9. Sinfoniekonzert der Essener Philharmoniker

Wunschkonzert

mit Götz Alsmann und den Essener Philharmonikern

Hintergrundinformationen über die zur Auswahl stehenden Werke und musikalische Kostproben

Ouvertüren

Richard Wagner

Ouvertüre zu „Die Meistersinger von Nürnberg“
Feierlich, pompös, deutsch: Mit Richard Wagners abgründiger und philosophischer Komödie „Die Meistersinger von Nürnberg“ wurden in Essen 1950 das wieder erbaute Grillo-Theater und 1988 das frisch errichtete Aalto-Theater eröffnet. Wer Trompeten und Posaunen mag, wird diese Ouvertüre lieben. Das ultimative Eröffnungsstück.

Essener Philharmoniker, Musikalische Leitung: Heinz Wallberg
Live-Mitschnitt: 25. September 1988, Aalto-Theater

Giuseppe Verdi

Ouvertüre zu „La Forza del destino“
„Die Macht des Schicksals“, wie der deutsche Titel von Verdis Meisterwerk lautet, könnte eigentlich der Name für so ziemlich jedes italienische Bühnenwerk des 19. Jahrhunderts sein. Und die Ouvertüre enthält natürlich alles, was man sich von einer leidenschaftlichen Oper wünschen kann: unheilvolle Trommelwirbel, mitreißende Streicherkantilenen, die Ankündigung von bittersüßem Unheil. Italienischer geht es nicht!

Gioacchino Rossini

Ouvertüre zu „La gazza ladra“
Alles nur geklaut? Nein, das weltberühmte Thema mit der neckischen Oboenmelodie aus „Die diebische Elster“ von 1817 ist Rossinis ureigene Erfindung. Geklaut wurde die Ouvertüre dann später aber doch: Nämlich von der Firma Bonduelle, die damit im Fernsehen ihr Dosengemüse bewarb. Ein musikalisch-vitaler Vitaminschock für die Ohren und für die Beine.

Hector Berlioz

Römischer Karneval
Bei der Pariser Uraufführung 1844 war die Ouvertüre „Römischer Karneval“ so erfolgreich, dass ihr ansonsten von Misserfolgen geplagter Komponist Hector Berlioz gar an eine Verschwörung des Publikums glaubte. Doch weit gefehlt: Es war ihm schlicht und ergreifend tatsächlich gelungen, Spaß und Fröhlichkeit der „Fünften Jahreszeit“ in Töne zu fassen. Nicht nur Karnevalisten dürfte es da im Konzertsaal von den Sitzen reißen.
Meisterwerke

Peter I. Tschaikowski

„Romeo und Julia“
Die größte und traurigste Liebesgeschichte aller Zeiten – und das ganz ohne Shakespeares Text! Aber Worte braucht der Romantiker Tschaikowski auch gar nicht, denn wie kein zweiter Komponist konnte er Musik schreiben, bei der selbst die schönsten Dur-Melodien irgendwie noch melancholisch klingen. Das erste Meisterwerk des großen Russen – vergessen Sie nicht Ihre Taschentücher mitzubringen!

Gustav Mahler

„Totenfeier“
„Der Tod, das muss ein Wiener sein“, das weiß man nicht erst seit Georg Kreislers zynischem Lied. Schon Gustav Mahler hat um die Jahrhundertwende das Ende des Lebens und der Welt mit rauschhaft schönen Tönen zelebriert. In diesem Stück stellt sich der Komponist die Frage: „Was bedeutet der Tod – gibt es Fortdauer?“ Wenn so der Weltuntergang klingt, möchte man unbedingt dabei sein.

Antonín Dvořák

„Der Wassermann“
Ein junges Mädchen wird von einem Wassermann gekidnappt und gründet mit ihm eine Unterwasserfamilie. Als sie Heimweh bekommt und zurück an die Wasseroberfläche will, wird es tragisch und blutig. Dvořák hat aus dieser alten tschechischen Ballade ein mitreißendes Orchesterstück gemacht – der „Rusalka“-Komponist hatte wohl ein offensichtliches Faible für Wassernixen. Unumgänglich für alle Fans von Gruselfilmen.
Essener Philharmoniker, Musikalische Leitung: Tomáš Netopil
Live-Mitschnitt: Juni 2015, Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal

Sergej Prokofjew

„Symphonie classique“
Während um ihn herum die Atonalität tobte, der er auch bereits selbst gehuldigt hatte, entdeckte Sergej Prokofjew 1916 auf einmal wieder die Schönheit der Wiener Klassik für sich. Und so schrieb er eine viertelstündige kleine Sinfonie, bei der er sich vorstellte, Joseph Haydn würde noch leben und selbstbewusst allen Einflüssen der Moderne trotzen. Ein Must für alle Vintage-Liebhaber!
Oper/Ballett

Ludwig van Beethoven

3. Ouvertüre zu „Leonore“
Auch ein Genie verzettelt sich von Zeit zu Zeit – was für eine beruhigende Vorstellung! Allerdings ist Beethovens dritter „Versuch“, eine Ouvertüre zu seiner immer wieder überarbeiteten Oper „Leonore“ zu schreiben, von einer solchen Perfektion, dass die meisten anderen Komponisten wohl vor Neid erblassen würden. Ein unbekanntes Meisterwerk.

Felix Mendelssohn Bartholdy

Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“
„Alles was du brauchst ist Glauben, Vertrauen und ein bisschen Feenstaub“, heißt es in einem bekannten Kinderfilm. Wie man sich diesen Feenstaub vorzustellen hat? Ganz einfach: Man braucht nur Mendelssohns „Sommernachtstraum“-Ouvertüre zu lauschen, und schon hat man eine Ahnung davon, welch magische Kräfte auf dieser Welt tätig sind. Da schlägt das Herz des Romantikers höher!

Alexander Borodin

„Polowetzer Tänze“ aus „Fürst Igor“
Eines der Stücke, die man kennt, ohne zu wissen, wie sie heißen: Die „Polowetzer Tänze“ aus Borodins Oper „Fürst Igor“ wurden 1909 weltberühmt, als die Ballets russes in Paris daraus ein eigenständiges Ballett machten. Inzwischen haben die Melodien auch in Musicals und Popsongs ein neues Leben entwickelt. Bei den Essener Philharmonikern steht natürlich die Originalversion auf dem Programm. Mitreißende Tanzmusik!

Modest Mussorgski

Vorspiel und „Persischer Tanz“ aus „Chowanschtschina“
Ob es am zungenbrecherischen Titel von Mussorgskis Oper liegt, dass sie in Deutschland nicht berühmter geworden ist? An fantastischer Musik hapert es jedenfalls definitiv nicht, denn die ist „russische Seele pur“. Schon im Vorspiel glaubt man, in einer Droschke durch eine verschneite Birkenallee zu fahren. Musik so klar wie ein guter Wodka.
Sinfonische Dichtung

Richard Strauss

„Don Juan“
Kein Geringerer als der größte Verführer aller Zeiten steht im Mittelpunkt von Richard Strauss 1888 geschaffener Tondichtung. Dabei dürfen wir den spanischen Galan nicht nur bei seinen Flirts und gleich zwei Liebesnächten, sondern auch auf einen Maskenball und zu einem Duell begleiten. Erotik und Spannung pur.

Franz Liszt

„Les Préludes“
Franz Liszt kennt man als umschwärmten langhaarigen Tastenvirtuosen, als Europareisenden und als verhinderten katholischen Priester. Dass er daneben auch brillante Orchesterwerke verfasst hat, ging in der Vergangenheit immer ein wenig unter. Seine Tondichtung beschreibt musikalisch „Liebessehnen, ländliche Idylle, zerstörte Träume und Mannwerdung.“ So würde Hesses „Steppenwolf“ klingen, wenn er ein Musikstück wäre.

Maurice Ravel

„Rhapsodie Espagnole“
Seine Eltern hatten sich in Spanien in einander verliebt – kein Wunder, dass Maurice Ravel der iberischen Halbinsel emotional ganz besonders verbunden war. Hier vereint er spanische Folklore, Tänze aber auch tiefgründige Melancholie miteinander. Ein Orchesterwerk wie ein überschäumendes Volksfest.

Benjamin Britten

„Four Sea Interludes“
Nach der Uraufführung der Oper „Peter Grimes“ 1945 verharrte das Publikum noch lange in Stille: Allen war klar, dass sie soeben einem Meisterwerk der Musikgeschichte beigewohnt hatten. Aufgelockert wird die tragische Geschichte durch vier Zwischenspiele, die die englische See in all ihren Facetten spiegeln. Spätromantisch, aufwühlend, elektrisierend: Von britischem Understatement keine Spur!
Zugabe

Publikumswunsch

Gibt es ein Musikstück, das unbedingt in dieses Konzert gehört? Ob Ouvertüre, Ballett, Sinfonie oder experimentelles Avantgarde-Stück – wir freuen uns auf Ihre Vorschläge!