Themenreihe 4

Countertenöre

Sängerfest mit sieben Countertenören

Was für ein Sängerfest! Über mehrere Abende hinweg werden sich im Rahmen der Themenreihe „Countertenöre“ die Besten dieses Fachs die Klinke in die Hand geben. War ihre Kunst einst in der Nische historischer Aufführungspraxis angesiedelt, so ist sie heute auf den Konzertpodien und Opernbühnen gefragt wie nie zuvor. Das Befremden ist gewichen. Die Besonderheit ist geblieben. Nach wie vor liegt ein eigentümlicher Reiz darin, wenn Männer so engelsgleich wie energiegeladen in hohen Lagen singen. Es scheint zwar "nur" eine Frage der Technik zu sein, um die Kopfstimme in solch betörende Schwingungen zu versetzen. Doch die hohe Kunst besteht schließlich darin, diese Künstlichkeit in einen vollendet natürlichen Klang zu verwandeln. Sieben Könner der Weltklasse sind in dieser Saison in der Philharmonie Essen zu erleben: Franco Fagioli leiht sein samtenes Timbre dem Titelhelden von Händels "Oreste". Philippe Jaroussky gestaltet unter der Überschrift "È morto il mio Gesù" in sinnlich-höchsten Tönen ein Recital mit Perlen des Barock. Der englische Countertenor Tim Mead, der den typischen Händel-Klang am renommierten King’s College schon früh in sich aufsaugen konnte, ist ein idealer "Messiah"-Interpret. Valer Sabadus ist mit der Sopranistin Ana Quintans mit Arien und Liebesduetten von Händel bis Vivaldi zu erleben. Damien Guillon glänzt in Purcells festlich fein gesponnenen Oden. Jakub Orliński erkundet schmeichelnd und furios alle Facetten der Liebe. Carlo Vistoli versenkt sich hingebungsvoll in Pergolesis schmerzvoll bezauberndes "Stabat Mater".