Uraufführung

Arbeiterinnen / Pracujące kobiety

Ein theatrales Porträt von drei Frauengenerationen aus Arbeiterfamilien im Ruhrgebiet und Niederschlesien
von werkgruppe2

In deutscher und polnischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere am 28. Mai 2020 bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen 
Premiere im Grillo-Theater in der Spielzeit 2020/2021



Das Stück

Sozialer Abstieg hat viele Gesichter. Auch in Europa schreiben existenzielle Bedrohung, persönliches Empfinden und unterschiedlich ausgeprägte staatliche Unterstützungsleistungen ganz individuelle Geschichten. Ein vergleichender Blick auf Europa hilft um zu begreifen, wie sich Arbeitsbiografien heute verflüssigen, auch da ganze Berufsfelder verschwinden. Der Dokumentartheaterabend „Arbeiterinnen / Pracujące kobiety“ fragt, wie sich das Verhältnis von Identität und Arbeit innerhalb von drei Frauengenerationen in Arbeiterfamilien in Deutschland und Polen entwickelt hat: In welchem Zusammenhang stehen die Erfahrung eines sozialen Abstiegs mit politischen Haltungen, Erwartungen und Wünschen? Fördert drohende oder zunehmende Armut ausgrenzendes Verhalten gegenüber anderen oder verstärkt sie gar die Tendenz, Rassismus wieder zu einem legitimen Instrument innerhalb der Politik zu machen? Inwiefern prägt die Herkunft den sozialen Status, Bildungschancen und politisches Denken? Und ist dies in Deutschland anders als in Polen?

Ein Jahr lang führt werkgruppe2 Interviews mit Frauen aus drei Generationen, die in zwei durch Arbeitslosigkeit und hohe Armutsrate gekennzeichneten, strukturschwachen Industrie-Regionen leben. Der auf Gesprächstranskriptionen basierende Theaterabend wird ausschließlich aus der Sicht von Frauen erzählt, denn bis heute sind überwiegend sie es, die in ihrer Haushaltsführung die Anzeichen für Verarmung zuallererst spüren. Und sie sind es auch, deren Perspektiven bislang weitgehend unerzählt geblieben sind.

werkgruppe2 ist ein freies Theaterkollektiv, das sich seit 2009 in dokumentarischen Projekten mit der sozialen Wirklichkeit aus der Perspektive von Menschen befasst, die zumeist zu gesellschaftlichen Minderheiten, Unsichtbaren oder Ausgeklammerten zählen. Die Arbeiten des Kollektivs beruhen auf ausführlichen journalistischen Recherchen und loten die Grenzen von Schauspiel und Musiktheater, Dokumentation und Fiktion aus. Dabei untersucht werkgruppe2 stets, was Dokumentation bedeutet, wie Wirklichkeit abgebildet und wie stellvertretend für Menschen gesprochen werden kann. werkgruppe2 besteht aus der Regisseurin Julia Roesler, der Musikerin und Komponistin Insa Rudolph und der Dramaturgin Silke Merzhäuser. Neben eigenen Theater- und Filmproduktionen, wie zuletzt den mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm „Marina“, hat werkgruppe2 zahlreiche Koproduktionen realisiert, u. a. mit dem Deutschen Theater in Göttingen, dem Oldenburgischen Staatstheater, dem Staatstheater Braunschweig, dem Nationaltheater Craiova/Rumänien und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe. „Arbeiterinnen / Pracujące kobiety“ ist die erste Inszenierung des Theaterkollektivs am Schauspiel Essen.

Eine Koproduktion von werkgruppe2 mit dem Schauspiel Essen, Teatr Polski – w podziemiu / Polski Theatre in the Underground und den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Gefördert von der Kunststiftung NRW und vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
Mit Unterstützung des Internationalen Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts
Team
Inszenierung
Julia Roesler (werkgruppe2)
Bühne und Kostüme
Léa Dietrich, Viva Schudt
Komposition
Insa Rudolph (werkgruppe2)
Video
Isabel Robson
Dramaturgie
Silke Merzhäuser (werkgruppe2), Judith Heese, Piotr Rudzki
Konzept und Recherche
Piotr Rudzki, werkgruppe2
Text
Silke Merzhäuser, Julia Roesler
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