Die Marquise von O…

nach der Novelle von Heinrich von Kleist
Premiere am 24. April 2020 in der Casa



Das Stück

In ohnehin schon brutalen Kriegszeiten macht die Marquise von O... eine besonders traumatisierende Erfahrung: Feindliche Scharfschützen zerren Julietta während eines nächtlichen Überfalls in einen Hinterhalt, und nur das Eingreifen des plötzlich auftauchenden Graf F... verhindert einen sexuellen Übergriff noch drastischerer Art. Tags drauf werden die Täter ausfindig gemacht, nach kurzem Verhör exekutiert und der edle Retter in der Not, bevor er sich verabschiedet, mit Lobreden gefeiert. Einige Wochen nach diesem Vorfall stellt die junge, bereits verwitwete Frau fest, dass sie schwanger ist. Verzweifelt beteuert Julietta, nicht die geringste Erinnerung an die Zeugung ihres dritten Kindes zu haben. Was zweifelhaft klingt, wird ihr auch von ihren Eltern nicht geglaubt. Die Tochter von bislang „vortrefflichem Ruf“ muss das elterliche Haus, in das sie nach dem Tod ihres Mannes zurückgekehrt war, verlassen. Fortan schlägt sich die Schwangere mit ihren Töchtern alleine durch, wächst an der Krise, gewinnt an Selbstbewusstsein – und entwickelt eine ungeahnte Radikalität, aus der heraus sie beschließt, mithilfe einer Zeitungsannonce der Wahrheit näherzukommen und den Mann zu finden, der ihr das angetan hat ...

Geprägt von den grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen seiner Zeit, vor allem von den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution, erzählt Heinrich von Kleist von „der gebrechlichen Einrichtung der Welt“. In „Die Marquise von O...“, erstmals 1808 in der Zeitschrift Phöbus abgedruckt, verspottet er eine Doppelmoral, die im Grunde alles erlaubt, so lange es im Verborgenen geschieht.
Zugleich entwirft der berühmte Literat – zu einer Zeit, in der die Zwangsheirat allmählich vom Konzept der Liebesheirat abgelöst wird, aber eine Schwangerschaft noch immer als Beweis für einvernehmlichen Sex gilt – ein bis heute kontrovers diskutiertes Frauenbild: Ist „Die Marquise von O...“ nun die Geschichte einer erfolgreichen weiblichen Emanzipation? Oder die einer weiteren, aus toxischer Maskulinität resultierenden Unterwerfung?
Team
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Friederike Külpmann, Franziska Schweiger
Dramaturgie
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