Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder
Reich und reich gesellt sich gern

Ein Greuelmärchen von Bertolt Brecht
Musik von Hanns Eisler
Premiere am 25. April 2020 im Grillo-Theater



Das Stück

Der Vizekönig von Jahoo wagt das Wort kaum in den Mund zu nehmen: „Bankrott!”. Überproduktion, fallende Preise und der daraus resultierende Konflikt zwischen zahlungsunfähigen Pächtern und unerbittlichen Pachtherren haben zur Zerrüttung des Staates geführt. Und nun formiert sich auch noch ein bedrohlicher Bauernaufstand unter dem Zeichen der „Sichel”. Um die sozialen Unruhen in den Griff zu bekommen, sucht der verzagte Regent Hilfe beim skrupellosen Ideologen Iberin und seiner „großen Entdeckung“: Die Spitzköpfe sind schuld an allem! Während sich Iberin einerseits dem Volk als gerechter neuer Statthalter präsentiert, der unparteiisch gegen soziale Ungleichheit vorgeht, unterteilt er andererseits die Einwohner von Jahoo aufgrund ihrer Physiognomie in Rund- und Spitzköpfe. So lassen sich wunderbar die Schuldigen an der Misere benennen und „an Stell des Kampfs von arm und reich“ zwei Bevölkerungsgruppen aufeinander hetzen. Die Saat geht auf: Gleichermaßen angestachelt wie eingeschüchtert von einer Terrormiliz verraten rund- und spitzköpfige Pächter all jene, mit denen sie gerade noch Seite an Seite unter der „Sichel“ kämpften ...

Ursprünglich als Bearbeitung von William Shakespeares „Maß für Maß“ gedacht, entfernte Bertolt Brecht sich 1932 von dieser Idee und verarbeitete schließlich zentrale Motive der Komödie in seiner Parabel von den Rundköpfen und den Spitzköpfen. Brecht beendete das Stück im dänischen Exil, wo es 1936 auch seine Uraufführung erlebte. In seinem bissig-bösen und zugleich unterhaltsamen „Greuelmärchen“ spiegelt Brecht Aufstieg, Herrschaft und Machtmechanismen des Hitlerregimes und von Diktaturen im Allgemeinen und zeigt eindrücklich, dass sich hinter fremdenfeindlichen, ausgrenzenden und menschenverachtenden Strukturen kapitalistische Strategien und wirtschaftliche Überlegungen verbergen.
Team
Inszenierung
Bühne
Daniel Angermayr
Dramaturgie
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