Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und reich gesellt sich gern

Ein Greuelmärchen nach Bertolt Brecht
Essener Fassung
Musik von Hanns Eisler
Wiederaufnahme am 16. September 2022 im Grillo-Theater





Wenn das so weitergeht, ist der Staat bald bankrott! Überproduktion, fallende Preise und Spannungen zwischen zahlungsunfähigen Pächter*innen und unerbittlichen Pachtherren treiben der Regierung den Angstschweiß auf die Stirn. Denn die Pächter*innen formieren sich zum Aufstand. Revolte liegt in der Luft! Man bittet – wenn auch widerwillig – einen skrupellosen Politstrategen um Hilfe. Der präsentiert sich als sozialer Hoffnungsträger und Freund des „armen Mannes“, während er das Volk aufgrund seiner Physiognomie in Rund- und Spitzköpfe aufteilt und verkündet, dass die Spitzköpfe an allem schuld seien. So willkürlich die Botschaft, so (hell-)hörig die Adressat*innen: Zwei bisher friedlich koexistierende Bevölkerungsgruppen gehen aufeinander los. Vergessen ist die Solidarität der Pächter*innen, wenn sie einander den Hut vom runden oder spitzen Kopf reißen. „An Stell des Kampfs von arm und reich“ tritt nun der Zwist von rund und spitz und macht vor Freunden und Familie keinen Halt. Den Chefideologen freut’s, denn seine Saat geht auf …

Ursprünglich als Bearbeitung von William Shakespeares „Maß für Maß“ gedacht, entfernt Bertolt Brecht sich bald von dieser Idee und spiegelt in seinem bissig-bösen und zugleich unterhaltsamen „Greuelmärchen“ aus dem Jahre 1936 Aufstieg, Herrschaft und Machtmechanismen des Hitlerregimes und von Diktaturen im Allgemeinen. Er zeigt darüber hinaus eindrücklich, dass sich hinter fremdenfeindlichen, ausgrenzenden und menschenverachtenden Strukturen kapitalistische Strategien und wirtschaftliche Überlegungen verbergen. Diesen Aspekt stellt Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer in den Mittelpunkt seiner Inszenierung und führt plastisch vor Augen, wie ein solcher Mechanismus auch in demokratischen Systemen erschreckend gut funktioniert.

Gefördert von der Sparkasse Essen aus Mitteln der Lotterie "PS-Sparen und Gewinnen"
Team
Inszenierung
Bühne
Daniel Angermayr
Dramaturgie
Besetzung
Callas
Nanna, seine Tochter, Kellnerin in dem Kaffeehaus der Frau Cornamontis
Emanuele de Guzman, ein Pachtherr / Ein Anwalt
Isabella de Guzmann, Schwester von Emanuele de Guzman / Frau Lopez / Eine Kellnerin im Kaffeehaus der Frau Cornamontis / Eine Anwältin
Trixi Strobel
Eine politisch interessierte Leistungsträgerin(PIL 1) / Frau Callas / Parr, Pächter / Ein Wärter
Eine politisch interessierte Leistungsträgerin(PIL 2) / Frau Cornamontis, Besitzerin eines Kaffeehauses / Die dicke Frau / Die Oberin von San Barabas / Eine Anwältin
Fine Sendel
Ein politisch interessierter Leistungsträger(PIL 3) / Lopez, Pächter / Ein Anwalt
Ein wirrer Vermieter / Der Oberste Richter / Der Inspektor
Thomas Büchel

Pressestimmen

"ein aus einem Guss spielendes Ensemble"
„Die Krise unserer demokratischen Gesellschaft ist seit Jahren ein wesentliches Thema auf den Bühnen. Selten aber wohl kam sie so explizit, so analytisch klar, so intensiv und so wenig verbiestert ins Theater wie jetzt in Essen. Hermann Schmidt-Rahmer bewegt sich sicher auf dem Fundament von Brechts fast nie gespieltem Stück, weil er genau das tut: Er benutzt den Originaltext als Sprungbrett und als inhaltliche Setzung, entschlackt ihn aber und denkt ihn, auch sprachlich und textlich, in unsere Zeit weiter. Dabei kann er sich auf ein aus einem Guss spielendes Ensemble verlassen.
[…] In Essen erleben wir vieles von dem, was heute nicht stimmt mit uns, als distanziertes und sich distanzierendes, aber sehr sinnliches Theater: Kein Lehrstück mehr, tatsächlich fast – Dokumentartheater.“
Die Deutsche Bühne
11. September 2021
Andreas Falentin

"ironische, meist politisch zugespitzte Anklänge"
„[Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer] bleibt bei der Dramaturgie des Lehrstücks, in weiten Teilen auch bei der Diktion von Brecht, aber er peppt Inhalt und Sprache immer wieder durch ironische, meist politisch zugespitzte Anklänge an neudeutsche Befindlichkeiten auf, die oft zum Schmunzeln verführen, häufiger aber noch ganz brechtisch zum Klassenkampf aufrufen.“
theater:pur
21. Oktober 2021
Dietmar Zimmermann

"Starke Bilder"
"Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer […] vertraut diesmal ganz auf die Kraft der Textfassung und das famose Ensemble in seinen Ganzkörpersuits von Pia Maria Mackert, die für ausreichend Verfremdung sorgen und für ebenso sonderbare wie starke Bilder."
WAZ/NRZ
14. September 2021
Martina Schürmann

"Unterhaltsam"
„Die Idee, das Stück als Greuelmärchen auszustatten, ist unterhaltsam, oft auch witzig und gut gespielt.“
WDR 5, Scala
13. September 2021
Martin Burkert

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