Im Schatten Goethes. August von Kotzebue

Vortrag von Dr. Bertold Heizmann (Essen)
Eine Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft Essen e. V.



„Natur gab dir so schöne Gaben“: Mit diesem vordergründigen Lob begann Goethe 1816 ein Gedicht über August von Kotzebue, den wohl fruchtbarsten und seinerzeit berühmtesten deutschsprachigen Schriftsteller, der aber zugleich einer seiner ärgsten Widersacher war. Dennoch gibt es keinen Dramatiker, weder Schiller noch Iffland noch Goethe selbst, der unter der Intendanz Goethes am Weimarer Theater öfter aufgeführt worden wäre. Goethe musste hier, wenn auch widerwillig, dem Zeitgeschmack Tribut zollen. Die „schönen Gaben“ entwertete Kotzebue selbst durch sein egoistisches und selbstgefälliges Auftreten; es mangelte ihm an jeglicher Selbstkritik. Politisch erzreaktionär und zudem im Verdacht stehend, ein Spion im Dienste Russlands zu sein, wurde er vor 200 Jahren, am 23. März 1819, von einem Burschenschaftler in Mannheim ermordet – diese Tat machte ihn berühmter als sein umfangreiches Werk, das heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Der Vortrag unternimmt allerdings den Versuch einer Ehrenrettung, insofern aufgezeigt wird, wie bereits der sensible und hochbegabte Knabe und später der zu Ruhm und Ansehen gelangte Schriftsteller sich an der übermächtigen Figur Goethes abarbeitete und zeitlebens darunter litt, von den ‚Großen‘ Weimars nicht anerkannt zu werden.
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