Nathan der Weise

Dramatisches Gedicht
von Gotthold Ephraim Lessing
Premiere am 18. Dezember 2021 in der Casa



Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge. Der jüdische Kaufmann Nathan steht vor den Trümmern seines niedergebrannten Hauses, in dem fast seine Tochter Recha umgekommen wäre. Sie glaubt an einen rettenden Engel, doch der christliche Tempelherr, der sie aus den Flammen holte, ist aus Fleisch und Blut und will keinen Dank – schon gar nicht von einem jüdischen Mädchen. Er wundert sich noch immer, dass er nach seiner Festnahme wegen Störung der Waffenruhe als einziger Kreuzritter von Sultan Saladin begnadigt wurde – nur, weil er dessen verstorbenem Bruder ähnlich sieht. Den muslimischen Herrscher drücken derweil andere Sorgen: Die Kassen sind leer. Also ruft er den reichen Nathan zu sich, fragt jedoch nicht direkt nach Geld, sondern erstmal um Rat, welche der drei großen Religionen denn wohl die wahre sei. Und ist beeindruckt von Nathans kluger Ringparabel, die für Gleichberechtigung und gegenseitige Toleranz der Religionen wirbt. Statt um finanzielle Unterstützung bittet Saladin nun um Nathans Freundschaft. Er erhält sie, und bekommt Bares noch dazu. Überwunden werden alte Vorurteile und jahrelange Ressentiments, bis auch die letzten Zweifelnden ungeachtet ihres Glaubens zu einer großen Familie werden – nicht nur im übertragenen Sinn ...

Naives Märchen oder optimistischer Gesellschaftsentwurf? Haltlose Utopie oder hoffnungsvolle Zukunftsvison? Spinnerei oder Soap? Traum oder Trash? Eins ist Gotthold Ephraim Lessings 1779 entstandenes Theaterstück definitiv: ein vielschichtiges Plädoyer für Toleranz und (religiöses) Miteinander. Zunächst einmal wollte Lessing damit das herrschende Publikationsverbot zu religiösen Themen umgehen und in seiner hitzig geführten Glaubensdebatte mit dem Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze den dramatischen Höhepunkt setzen. Fast 250 Jahre später wird der Toleranz statt Rache lebende Nathan weltweit als Vorbild herangezogen, die Ringparabel gehört zum Allgemeinwissen, und „Nathan der Weise“ ist Schulstoff. Weil die Zeiten es immer noch erfordern! Das Ringen der Religionen, der Kampf zwischen Andersdenkenden und -gläubigen, der Hass auf alles Fremde, die Angst vor dem Verlust von Sicherheit und religiöser, kultureller oder nationaler Identität hat nicht aufgehört. Im Gegenteil. Wenn im Mai 2021 vor deutschen Synagogen israelische Fahnen brennen und antisemitische Anfeindungen skandiert werden, dann klingt Lessings stoisches Patriarchen-Credo „Der Jude wird verbrannt!“ leider kein bisschen gestrig.

Regisseur Karsten Dahlem inszeniert bereits zum achten Mal am Schauspiel Essen. Zuletzt war in der Spielzeit 2020/2021 „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee in seiner Regie zu sehen. Nach spannenden Klassikerinszenierungen wie u. a. „Die Leiden des jungen Werther“ und „Peer Gynt“ wird er nun „Nathan der Weise“ nicht zuletzt auch für ein junges Publikum ab 16 Jahren inszenieren.

Team
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Claudia Kalinski
Musik
Hajo Wiesemann
Dramaturgie
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