Der Fall der Götter

nach dem Film „Die Verdammten“ von Luchino Visconti
Für die Bühne übersetzt und bearbeitet von Hans Peter Litscher

Das Stück

Baron von Essenbeck, Familienoberhaupt und Stahlwerkchef, feiert gerade seinen Geburtstag im Kreise der Familie, als die Nachricht vom Reichstagsbrand eintrifft. Der greise Patriarch reagiert sofort: Um sein Unternehmen zu sichern, ernennt er seinen Sohn Konstantin, Mitglied der SA und überzeugter Nationalsozialist, zu seinem Stellvertreter. Doch Sophie, die Witwe seines ältesten, im Krieg gefallenen Sohnes, verfolgt mit ihrem Liebhaber Friedrich Bruckmann und dem SS-Mann Aschenbach andere Pläne: Sie wollen die Führung der Essenbeck-Werke an sich reißen. Der alte Baron wird ermordet – und Sophies Sohn Martin erbt das Unternehmen. Wunschgemäß ernennt der labile und stark auf seine Mutter fixierte junge Mann daraufhin Friedrich zum Vorsitzenden. Dieser und Sophie scheinen am Ziel ihrer Träume, doch weder nimmt Konstantin seine Demontage untätig hin, noch liegt Hauptsturmführer Aschenbach wirklich etwas am Aufstieg Friedrichs. Und so geraten alle Beteiligten im leidenschaftlichen Kampf um Erhalt und Sicherung des Familienunternehmens und persönliche Machtansprüche in einen vernichtenden Strudel aus Intrigen, Hass und Verletzungen, den die meisten von ihnen mit dem Leben bezahlen werden.

Luchino Visconti zeigt in seinem Film „Die Verdammten“ aus dem Jahr 1969 in opulenten Bildern den Verfall einer deutschen Industriellenfamilie zu Zeiten des Nationalsozialismus. Pate für die von Essenbecks und ihr gleichnamiges Stahlwerk stand die Essener Krupp-Dynastie, deren Wirken bis heute prägend für das Ruhrgebiet ist. Der Aufstieg des Familienunternehmens ist ein schillerndes Exempel wirkungsvoller Unternehmensstrategie; nicht minder schillernd waren die einzelnen Familienmitglieder der Krupps. Verrat und Gewalt, Eifersucht und Mord sind die Ingredienzen dieses Meisterwerkes, das eine scharfe Analyse dekadenten Großbürgertums leistet und gleichzeitig „großes Kino“ ist – auch auf der Bühne.
 
Gefördert von der Kulturstiftung Essen und durch eine Privatspende von Marianne Kaimer.
Team
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Nini von Selzam
Musik
Thomas Osterhoff
Dramaturgie
Besetzung
Erzähler; Joachim von Essenbeck
Konstantin, sein Sohn
Elisabeth, Joachims Nichte
Herbert Thalmann, ihr Mann und Vizepräsident der Essenbecker Stahlwerke
Sophie von Essenbeck, Joachim von Essenbecks Nichte und Witwe seines ältesten Sohnes
Martin, ihr Sohn
Günther, Konstantins Sohn
Friedrich Bruckmann, einer der Direktoren der Essenbecker Stahlwerke und Sophies Liebhaber
Hauptsturmführer von Aschenbach
Thilde, Elisabeth und Herberts Tochter
Frida Lina Büchel, Frida van Heek
Angestellte im Hause von Essenbeck
Mike Dotten, Janneke Eggert, Christian Lehnert, Rawi Thalreja

Pressestimmen

„Bestürzend aktuelle Bezüge.“
„Mit der Bühnenversion des Visconti-Films gelingt am Grillo-Theater ein dichtes Kammerspiel über moralischen Verfall.“
Recklinghäuser Zeitung
24. April 2018
Bernd Aulich

„Kühl choreografierte Überwältigung.“
„Jan Neumann setzt auf eine Drehbühne, die fast pausenlos rotiert. Die riesigen Stahlbrammen darauf ermöglichen eine beständig wechselnde Choreografie der Essenbeckschen Machtspiele […]. Bei aller optischen Überwältigung, verstärkt durch die klug dosierte Musik von Thomas Osterhoff, meistert das Essener Ensemble die äußerst herausfordernden Rollen mit Bravour.“
WAZ/NRZ
23. April 2018
Stephan Hermsen

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