16.05.2018

Mit Robert Menasses „Die Hauptstadt“ in die neue Saison

Schauspielintendant Christian Tombeil und sein Dramaturgie-Team haben das Programm für die Spielzeit 2018/2019 vorgestellt
Essen. Mit einem echten Paukenschlag startet das Schauspiel Essen in die Spielzeit 2018/2019: Am 5. Oktober gibt es im Grillo-Theater die Deutsche Erstaufführung von Robert Menasses „Die Hauptstadt“. Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer wird auf der Grundlage des Romans, der 2017 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, eine eigene Bühnenfassung erstellen, die – wie die Vorlage – einen spannenden, unterhaltsamen und zugleich bissigen Blick auf ein Europa wirft, dessen Zusammenhalt Menasse durch nationalistische Bestrebungen ernsthaft gefährdet sieht. „Die Hauptstadt“ ist aber nur die erste von elf Premieren, die Intendant Christian Tombeil gemeinsam mit seinem Dramaturgie-Team am 16. Mai im Rahmen einer Pressekonferenz im Café Central International im Grillo-Theater vorgestellt hat.

Die zweite Premiere im Grillo-Theater feiert ein Stück, das sein Autor Max Frisch bereits 1967 geschrieben hat: „Biografie: Ein Spiel“. Regisseur Thomas Ladwig wird bei seiner Inszenierung allerdings die neue Fassung von 1984 auf die Bühne bringen. Frisch spielt in seinem Stück das Gedankenexperiment durch, was wäre, wenn man die Zeit zurückdrehen und mit dem Wissen von heute sein Leben noch einmal von vorne beginnen könnte. Diese Chance erhält Hannes Kürmann, seines Zeichens Professor für Verhaltensforschung, in Form einer theatralen Versuchsanordnung. Ob und wenn ja, wie er sie nutzen wird, erfährt das Publikum erstmals am 12. Oktober 2018.
Die vorweihnachtliche Märchenzeit beginnt am 10. November 2018: Dann stehen im Grillo-Theater erstmals die junge Dorothy, eine Vogelscheuche, ein Blechmann und ein Löwe im Mittelpunkt des äußerst turbulenten Bühnen-Geschehens. Für Familien und Schulklassen inszeniert Regisseurin Anne Spaeter („Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“, „Kunst“) den Klassiker „Der Zauberer von Oz“ nach dem Kinderbuch von Lyman Frank Baum. Damit speziell Schulklassen ihren Theaterbesuch frühzeitig planen können, beginnt der Kartenvorverkauf – zunächst ausschließlich persönlich – bereits am Samstag, dem 30. Juni 2018 im TUP-TicketCenter. Ab dem 2. Juli 2018 sind dann auch telefonische Reservierungen und der Online-Kartenkauf möglich.
Das nach wie vor brisante Thema Sterbehilfe behandelt „Ein großer Aufbruch“ von Magnus Vattrodt. Regisseur Gustav Rueb inszeniert dieses emotionsgeladene Kammerspiel, für dessen Filmvorlage Vattrodt 2016 den Deutschen Fernsehpreis für das beste Drehbuch erhielt. Premiere ist am 1. Dezember 2018 im Grillo-Theater.
Pointensicher, tempo- und wortspielreich, voller Situationskomik und gespickt mit viel schwarzem Humor: All das und noch viel mehr ist „Cash – Und ewig rauschen die Gelder“. Die umwerfende Farce von Michael Cooney nimmt die Zuschauer ab dem 2. März 2019 mit in den Haushalt der Swans. Wer hier allerdings wirklich lebt, darüber gehen die Meinungen stark auseinander, denn Eric Swan und sein Onkel George haben ein weitverzweigtes Netz an fiktiven Untermietern und dazugehörigen Familienangehörigen gesponnen, um für jeden einzelnen von ihnen Geld vom Sozialamt zu kassieren. Als jedoch eines Tages Mr. Jenkins von besagtem Amt vor der Tür steht, droht das fragile Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammenzufallen. Regie führt Tobias Materna.
Den Schlusspunkt hinter den Grillo-Premierenreigen setzt am 4. Mai 2019 ein Stück, das zu den ganz großen der Weltliteratur zählt: „Der Kirschgarten“. Anton Tschechow porträtiert in seiner leisen Komödie aus dem Jahre 1904 eine Gesellschaft im Wandel. So beschwören einerseits die Gutsbesitzerin Ranjewskaja und ihre Geschwister die gute alte Zeit und halten am Bestehenden fest. Dabei verdrängen sie vollkommen, dass das Familienanwesen überschuldet und der dazugehörige Kirschgarten längst unrentabel ist. Und andererseits gibt es diejenigen, die gierig nach dem Neuen greifen. So wie der Kaufmann Lopachin, für den der immaterielle Wert eines Kirschgartens voller Erinnerungen nichts zählt und dessen Antrieb Profitstreben und Aufstiegswille sind. 

Großes Theater gibt es in der kommenden Saison auch wieder auf den beiden kleinen Bühnen. In der Casa inszeniert Regisseur Karsten Dahlem zu Beginn der neuen Spielzeit „Auerhaus“ nach dem Roman von Bov Bjerg. Nachdem Frieder versucht hat, sich das Leben zu nehmen, beschließen seine engsten Freunde, ihn unter ihre Fittiche zu nehmen und ihn an einem neuerlichen Selbstmordversuch zu hindern. Zu diesem Zweck gründen sie im leerstehenden Bauernhaus von Frieders verstorbenem Opa eine WG, das Auerhaus. Premiere ist am 6. Oktober 2018. Das Stück ist für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet.
Fünf Menschen, die den Anschluss an die ökonomische Entwicklung längst verloren haben, stehen im Mittelpunkt von Jonas Hassen Khemiris ≈ [ungefähr gleich]. Die junge Regisseurin Magz Barrawasser, die in der aktuellen Spielzeit „Pussy Riots“ auf die Box-Bühne gebracht hat, inszeniert die kunstvoll ineinander verzahnten Schicksale von Andrej, Peter, Mani, Martina und Freja, die sich in einer zur Markthalle gewordenen Welt zurechtfinden müssen. Premiere in der Casa ist am 30. November.
Die letzte Casa-Premiere trägt den Titel „Rien ne va plus“ und ist ein Mehrspartenprojekt im Rahmen der TUP-Festtage 2019. Für diese Uraufführung werden Künstlerinnen und Künstler der Sparten Musiktheater (Sascha Krohn und Marijke Malitius für die Inszenierung), Ballett (Igor Volkovskyy für die Choreografie) und Schauspiel (Gesa Gröning für die Ausstattung) eng zusammenarbeiten. Die Premiere ist am 27. März 2019; die TUP-Festtage finden vom 22. - 31. März 2019 statt. 
Die Tradition, Regieassistentinnen und -assistenten erste eigene Inszenierungen anzuvertrauen, setzt Intendant Christian Tombeil auch in der kommenden Spielzeit fort: In der Box inszeniert zunächst Felicia Daniel das Stück „Am Boden“, in dem Autor George Brant die Geschichte einer jungen Kampfpilotin erzählt, die nach ihrer Baby-Pause in ihren Job zurückkehrt und jetzt als Drohnenpilotin im Schichtdienst zwischen Kindergarten und Luftwaffenstützpunkt pendelt. Premiere ist am 22. Februar 2019. Und Tabea Schattmaier wird Harold Pinters „Der stumme Diener“ zu neuem Leben erwecken. Die Geschichte um die beiden Auftragskiller Ben und Gus, die 1987 von Robert Altman mit Tom Conti und John Travolta verfilmt wurde, feiert am 26. April 2019 Premiere in der Box. 

Als Wiederaufnahmen sind u. a. Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“, „Der Fall der Götter“ nach Viscontis Film „Die Verdammten“ sowie die Komödie „Willkommen“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz geplant. Auch die Reihe „Jazz in Essen“ geht mit fünf Konzerten in eine neue Runde. Zahlreiche Sonderveranstaltungen und Kooperationen – darunter wieder das Projekt „Der geschenkte Platz“, das Kindern und Jugendlichen z. B. aus Kinder- und Flüchtlingsheimen, Behindertenwerkstätten oder Förderschulen durch Spenden einen Theaterbesuch ermöglicht – runden das vielfältige Angebot ab. 

Los geht die neue Spielzeit am Sonntag, dem 16. September mit einem großen Theaterfest. Nachdem im vergangenen Jahr wegen des 125. Geburtstages des Grillo-Theaters alle Sparten in der Innenstadt gefeiert haben, findet zu Beginn der kommenden Saison das große Fest im Aalto-Theater und in der Philharmonie Essen statt. Die Türen werden um 13 Uhr geöffnet, und dann gibt’s zahlreiche Bühnendarbietungen und Mitmach-Aktionen, mit denen Sänger, Musiker, Tänzer, Schauspieler und zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen des Theaters die Besucher auf die Spielzeit 2018/2019 einstimmen wollen. 

Das Jahresheft 2018/2019 des Schauspiel Essen ist ab sofort im TicketCenter und in den Spielstätten der TUP erhältlich.  

Abonnements/Vorverkaufsstart
Am 17. Mai 2018 startet der Abonnementverkauf des Schauspiel Essen sowie der Kartenvorverkauf für alle fünf „Jazz in Essen“-Konzerte. 
Vorverkaufsstart für „Der Zauberer von Oz“: 30. Juni 2018.
Für Schulklassen-Vorstellungen gilt: Ab 30. Juni 2018, 8:00 Uhr ausschließlich persönlicher Verkauf im TicketCenter; telefonische Reservierungen sind ab dem 2. Juli 2018 möglich. 

Kontakt: TicketCenter der TUP, II. Hagen 2, 45127 Essen (Mo 10-16 Uhr, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr), T 02 01 81 22-200, tickets@theater-essen.de, www.schauspiel-essen.de